Ingenieurbüro für Arbeits- und Gesundheitsschutz

Die richtige Beleuchtung am Arbeitsplatz für Körper und Geist

Die richtige Beleuchtung am Arbeitsplatz sorgt zum einen dafür, dass Dinge gut erkannt werden und wir sie naturgetreu sehen können. Andererseits sind wir von der Art der Beleuchtung (Lichtspektrum, Helligkeit) in unserem Empfinden abhängig.

Beleuchtung zum Sehen und Erkennen

Die optimale Beleuchtung am Arbeitsplatz ist aus zwei Gründen entscheidend. Selbstverständlich muss der Arbeitsgegenstand als solcher gut erkennbar sein (Farbe, Form, Größe etc.). Die Tätigkeiten lassen sich schneller und besser erledigen, wenn Gegenstände, Bilder und Schriften besser erkennbar sind. Damit die Beleuchtung tagsüber am besten gewährleistet ist, stellt der Arbeitsplatz am Fenster eine gute Wahl dar. Die entsprechende Vorschrift zum „Licht am Arbeitsplatz“ ist die Arbeitsstättenregel A3.4 – „Beleuchtung“.

 

 

Arbeitsplätze, die nur hell sind, müssen nicht ideal sein. Denn eine ungünstige Lichtverteilung, mit einer hohen Beleuchtungsstärke (Lux-Zahl) kann Blendungen verursachen. Das Ziel des „Erkennens“ wird in diesem Fall genauso verfehlt. Warnhinweise, wie Gebots- oder Verbotsschilder müssen natürlich gut zu erkennen sein. Neben der physischen Erkennbarkeit spielt auch der Einfluss des Lichtes auf die Psyche des Menschen eine große Rolle. Das Wohlbefinden des Menschen ist nämlich abhängig von der Wellenlänge des Lichtes und der Beleuchtungsstärke.

Licht und Psyche

Die positiven Wirkungen des Tageslichtspektrums auf den Menschen sind ausreichend bekannt. So wird das allgemeine Wohlbefinden gesteigert und Müdigkeitserscheinungen werden deutlich reduziert. Dadurch lassen sich u.a. die Fehlerhäufigkeit durch die Mitarbeiter verringern und die Motivation steigern. In der Arbeitsstättenregel (ASR A3.4 „Beleuchtung“) werden Vorgaben zur Beleuchtungssituation am Arbeitsplatz gemacht. In Kapitel 4 „Beleuchtung mit Tageslicht“ wird ausdrücklich gefordert, dass Tageslicht immer dem künstlichen Licht vorzuziehen ist. Licht trifft auf das Melanopsin, welches im Prinzip eine dritte Art von „Sinnesrezeptor“ im Auge darstellt. Insbesondere Licht mit einem hohen Blauanteil regt das Melanopsin stärker an, Signale an die Zirbeldrüse im Gehirn zu senden: „Liebe Drüse, bitte schütte nicht mehr so viel Melatonin aus.“ Weniger Melatonin macht weniger müde, also werden wir munter.

Weitere Informationen zum Thema sind auf den Seiten der Universität Heidelberg zu finden. Zum Nachschlagen eignet sich auch das Frage-Antwort-Büchlein: „Was macht der Sicherheitsfuzzi und wovon redet er?„.

Die Handlungshilfe der DGUV: „Tageslicht am Arbeitsplatz – leistungsfördernd und gesund“ ist ebenfalls sehr interessant.

Beurteilung der Lichtverhältnisse

Zur Beurteilung und Bewertung der Lichtverhältnisse am Arbeitsplatz, dient natürlich auch dabei die Gefährdungsbeurteilung. Treten Blendungen auf? Ist es hell genug? Gibt es Fenster? All diese Fragen sollten dokumentiert werden. Das gleiche gilt für deren Antworten. Auch die Veränderung der Beleuchtungssituation als Resultat der Gefährdungsbeurteilung oder einer Begehung sind zu dokumentieren. Damit kommt der Arbeitgeber seinen Grundpflichten nach und verbessert den Arbeitsplatz. Übrigens ist die optimale Beleuchtungssituation ein klassischer Bestandteil für eine gute Arbeitsplatzergonomie.

Sichtverbindung nach außen und Tageslicht

Steht mir ein Arbeitsplatz mit Fenster zu?“ Die Frage nach der Sichtverbindung nach außen, stellen sich viele Arbeitnehmer. Die Antwort darauf, liefert die Arbeitsstättenverordnung in der derzeit gültigen Fassung von November 2016:

(1) Der Arbeitgeber darf als Arbeitsräume nur solche Räume betreiben, die möglichst ausreichend Tageslicht erhalten und die eine Sichtverbindung nach außen haben.“  (Punkt 3.4 Anhang der Arbeitsstättenverordnung)

Sichtverbindung nach außen: die Ausnahmen

Räume, in denen die Art der Tätigkeit, kein Tageslicht oder keine Sichtverbindung nach außen zu lassen, sind von der Bestimmung ausgenommen. Dies ist bspw. in Fotolaboren oder bestimmten Untersuchungsräumen (Ultraschall) der Fall. Auch Räume, die nur begangen werden um etwas hinein zu stellen – oder herauszuholen, müssen kein Tageslicht enthalten (z.B. Maschinenraum des Aufzuges, kleine Lagerräume etc.). Teeküchen, sofern sie nicht in Pausen- und Bereitschaftsräume integriert sind, benötigen ebenfalls keine Sichtverbindung nach außen und auch kein direktes Tageslicht. Räume in Einkaufszentren und Passagen, Bahnhofs- und Flughafenhallen stellen ebenso Ausnahmen dar.

 

 

Während die Zubereitung von Tee oder Kaffee in Teeküchen keine Arbeitstätigkeit darstellt, ist dies bei Tätigkeiten in unmittelbarer Verbindung mit der Arbeitsaufgabe anders.

Alle Räume, in denen Beschäftigte ihre Arbeit erledigen, müssen ausreichend Tageslicht erhalten und eine direkte Sichtverbindung nach außen aufweisen.

Ein Fenster zum Flur, über den hinweg man durch das Fenster nach draußen schauen kann, stellt keine direkte Sichtverbindung nach außen im Sinne der Arbeitsstättenverordnung dar.

Pausen- und Bereitschaftsräume (ASR A4.2) dienen zwar nicht dazu der regulären Arbeitstätigkeit nachzugehen, sollen aber ein kurzzeitiges Abschalten von der Arbeit ermöglichen und dienen deshalb als Rückzugsmöglichkeit. Die Ansprüche auf Tageslicht und einer Sichtverbindung nach außen sind deswegen in der Arbeitsstättenregel A4.2 „Pausen- und Bereitschaftsräume“ (Absatz 4.1 Punkt 10) explizit gefordert.

Übergangslösung für Räume, aber

Wenn Räume ohne Sichtverbindung vor dem 03. Dezember 2016 gebaut worden sind, oder der Bau davor begonnen wurde, müssen diese erst dann „nachgerüstet“ werden, wenn sie wesentlich umgebaut bzw. erweitert werden.

Das bedeutet allerdings nicht, dass die Beschäftigten dort weiterhin ihre Arbeitsleistung abliefern müssen. Denn trotz alle dem ist der Arbeitgeber verpflichtet eine Gefährdungsbeurteilung nach § 5 ArbSchG zu erstellen und damit die Gefährdungen der Mitarbeiter bzgl. körperlicher und psychischer Einflüsse zu beurteilen. Eine andauernde Tätigkeit ohne Tageslicht im Keller wird immer eine psychische Gefährdung darstellen.