Was ist Asbest?

Asbest ist ein Material, dessen Fasern einen Durchmesser von bis zu 2 µm aufweisen. Chemisch betrachtet gehört Asbest zu den Silikaten und kommt in der Natur in Gesteinen vor. Die normale Umgebungsluft, die wir jeden Tag einatmen enthält circa 300 lungengängige Asbestfasern pro Kubikmeter. Aufgrund seiner chemischen und thermischen Beständigkeit, wird Asbest seit den dreißiger Jahren für die Herstellung einer Vielzahl von Produkten verwendet. Zu diesen Produkten zählen beispielsweise Bremsbeläge, Kupplungsbelege und Dichtungen verschiedenster Art. Bis in die sechziger und siebziger Jahre wurde Asbest in großen Mengen in Baumaterialien verwendet. Dies ist auf die genannten Eigenschaften zurückzuführen, sowie auf die Tatsache, dass sich asbesthaltige Materialien sehr gut verarbeiten lassen. Solange die Asbestfasern im entsprechenden Material fest gebunden sind, besteht für uns Menschen keine Gefahr. Die Gefährdung ist erst dann gegeben, wenn sich die Fasern in der Raumluft frei bewegen. Die Fasern werden in der Regel dann freigesetzt, wenn an den asbesthaltigen Materialien Arbeiten durchgeführt werden. Dazu zählen die klassischen mechanischen Bearbeitungsmethoden wir bohren, Segen, Fräsen usw. Die Gefährdungen durch Asbestfasern sind auch deswegen problematisch, da die Fasern sehr klein und dadurch nicht mit dem bloßen Auge zu erkennen sind. Aus diesen Gründen und der Tatsache der hohen gesundheitlichen Gefährdungen, wurden im Jahre 1993 sowohl die Verwendung als auch der Handel mit Asbest gesetzlich verboten.In diesem Zeitraum wurde der Zusammenhang zwischen Asbestfasern in der Luft und dem auftreten von Krebserkrankungen deutlich.

Was macht Asbest so gefährlich?

Asbestfasern haben die Eigenschaft, dass sie sich längst spalten. Die Anlagerung in der Lunge selbst kann oft nicht rückgängig gemacht werden. Durch die Fasern wird das Lungengewebe ständig mechanisch gereizt und weiter durch die aggressiven Ausscheidungen der Fresszellen angegriffen. Es entstehen kleineren Narbengewebe die sich am Ende zu einer Asbesthose entwickeln. Die Asbesthose ist bereits seit 1936 als Berufskrankheit anerkannt. Gleiches gilt für Tumore von Lungen und Bauchfell. Die krebserregende Eigenschaft von Asbest ist unumstritten. Eine frühe Erkennung ist lange Zeit nicht möglich gewesen und auch heute noch nicht ohne Risiko durchführbar. Kritisch sind die Fasern dann, wenn sie länger als 5 µm sind und ihre dicke weniger als 3 µm beträgt. Auch wenn das Verhältnis von Länge zu Dicke größer ist als 3:1.Dies liegt an der langen Latenzzeit von über 30 Jahren. Dieser Zeitraum liegt zwischen dem Einatmen von Asbestfasern und der Ausbildung von Symptomen. Wer nur kurzzeitig einer Asbestes lasteten Raumluft ausgesetzt war, dessen Risiko ist natürlich nicht so hoch wie das derjenigen die längere Zeit mit Asbest gearbeitet haben. Dennoch ist es vorhanden. Von 3.000 gestellten Anträgen auf eine Berufserkrankung wurden 1.000 Anträge als solche akzeptiert und eine Berufskrankheit anerkannt.

Was ist schwachgebundener Asbest?

Wie der Name schon verrät, ist schwachgebundener Asbest eben nicht sehr fest gebunden. D.h. das auch kleinere Erschütterungen dazu führen das die Asbestfasern freigesetzt werden. Die Rohdichte liegt bei weniger als 1.000 kg/m3. Schwachgebundener Asbest wurde in Form von Spritzasbest verarbeitet und fand beispielsweise in Brandschutzummantelungen Verwendung. Dies liegt auch an der hohen thermischen Wiederstandsfähigkeit des Materials. Ebenso kam es in Leichtbauplatten und Nachtspeicheröfen vor. Die Vinylbodenbelege aus den 1960ern enthielten ebenfalls ein Trägermaterial welches Asbestfasern beinhaltete. Problematisch ist das Ganze auch heute noch, weil bei Sanierungsarbeiten die Identifikation als asbesthaltiges Material oft nicht ohne Weiteres möglich ist. Auch Fachleute tun sich sehr schwer damit ein vorhandenes Material zu erkennen. Deswegen werden Proben zur Analyse eingeschickt. Aufgrund der Fasern und deren Feinheit (weil sie sehr klein sind) ist eine Sanierung von Gebäuden oft sehr aufwändig. An den Materialkanten nach Bruch oder Schnitt sind deutlich Faserbüchel zu erkennen.

Fest gebundener Asbest

Den Fest gebundenen Asbest fand man überwiegend in Dach- und Wellpappen, Rohren, Kabelkanälen und Gartenmöbeln. Auch Tischtennisplatten und Minigolfbahnen wurden früher aus Asbestzement hergestellt. Dabei fand das besagte Material nicht nur in den festen Bausubstanzen Anwendung, sondern auch im Bitumenkleber. D.h. auch wenn bei Sanierungsarbeiten Bitumenkleberschichten entfernt werden müssen, sind aufwändige Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Wie bereits erwähnt, besteht eine Gefährdung an Lungenasbesthose zu erkranken nur dann, wenn sich mehrere Asbestfasern in der Raumluft befinden die eingeatmet werden können. Fest gebunden, also wenige Fasern in viel Bindemittel können in der Regel nicht eingeatmet werden.

Immobilienbesitzer sind mitunter schwer getroffen, da sie oft keine Kenntnis darüber haben, ob in Ihrem Gebäude asbesthaltige Materialien verbaut sind. Umso wichtiger ist es, die notwendige Sanierungsfirma darüber in Kenntnis zu setzen, wenn das Vorhandensein von asbesthaltigen Materialien nicht ausgeschlossen werden kann.

Wer darf mit Asbest arbeiten und was ist verboten?

Erlaubt ist eine „Arbeit“ als solches mit asbesthaltigen Produkten nicht. Lediglich die sogenannten ASI-Arbeiten sind gestattet. ASI bedeutet Abbruch-, Sanierungs-, und Instandsetzungsarbeiten. Diese dürfen laut TRGS 519 nur durch Firmen und Personen ausgeführt werden, die die erforderlichen Kenntnisse im Umgang und in der Entsorgung von Asbest verfügen. Es ist nicht gestattet asbesthaltigen Materialien mechanisch zu bearbeiten. Dazu zählen Tätigkeiten wie brechen, schneiden und bearbeiten mit Hochdruckreinigern. Natürlich zählen auch bohren und sägen dazu. Es ist ebenso nicht gestattet, asbesthaltige Materialien durch andere zu überdecken. Dies würde die Gefahr mit sich bringen, dass diese Materialien zu einem späteren Zeitpunkt nicht als solche wahrgenommen werden. Auf Asbestzementdächern dürfen keine Installationsarbeiten durchgeführt werden, die zusätzliche Geräte oder Maschinen auf dem Dach installieren. Dabei ist beispielsweise an Photovoltaikanlagen zu denken. Selbstverständlich ist auch jegliche weitere Verwendung von asbesthaltigen Materialien verboten. Verschenken und verkaufen sind logischerweise strengstens untersagt. Beim Thema Asbest ist wirklich größte Vorsicht geboten.

Fakten zu Asbest

  • Weltweit sterben ca. 100.000 Menschen an den Nachwirkungen einer Asbestexposition
  • In Bauprodukten die vor 1993 verwendet wurden kann Asbest enthalten sein, so z.B. in Spachtelmassen, Klebern, Dichtungsmassen, Putzen und Anstrichstoffen
  • Eine wichtige rechtliche Grundlage für Tätigkeiten mit Asbest ist die TRGS 519
  • Mitarbeiter anzuweisen, ohne ausreichende Schutzmaßnahmen und Sachkunde mit Asbest zu arbeiten ist nicht gestattet
Wissen über Asbest ist heute immer noch wichtig